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Sturm auf die Arche

Napoleons eiskalter Angriff

Liebe Fotofreunde,

es ist Sonntagvormittag, der 17. Mai. An der Donau herrscht eigentlich friedliche Wochenendstimmung – doch die Stimmung trügt. Das Unheil bahnte sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt an.

Gerade erst waren die kleinen Schwanenküken geschlüpft, manche von ihnen noch sprichwörtlich nass hinter den Ohren. Während Frau Noa sich aufopferungsvoll und liebevoll um ihre winzigen Nestlinge kümmerte, blieb der Schwanenvater weiterhin spurlos verschwunden. Sie war völlig auf sich allein gestellt.

Und genau diese Schwäche wurde eiskalt ausgenutzt. Aus der Ferne pflügte plötzlich ein anderes Schwanenmännchen heran. Die Flügel testosterongeladen und drohend aufgestellt – im Visier hatte er ein Ziel: das Nest auf dem Treibgut. Ich habe diesem herrschsüchtigen Angreifer später den Namen Napoleon gegeben (und seiner Partnerin folgerichtig Joséphine). Napoleon duldete keine Konkurrenz in seinem Flussabschnitt.

Frau Noa reagierte sofort: Getrieben von purem Mutterinstinkt verließ sie die Brutplattform und stellte sich mutig wie ein Schutzschild zwischen den Aggressor und ihre Babys. Doch Napoleon dachte gar nicht daran abzulassen. Er attackierte sie so heftig, dass ihr schließlich nur die Flucht blieb.

Dieses grausame Schauspiel wiederholte sich an diesem Vormittag einige Male. Für die frisch geschlüpften Küken war das eine lebensgefährliche Situation. Ohne den Schutz der Mutter waren sie im offenen Nest völlig schutzlos hungrigen Krähen und Raubvögeln ausgeliefert, die solche Gelegenheiten blitzschnell nutzen.

Erst nach unzähligen, kräftezehrenden Attacken drehte Napoleon endlich ab und kehrte stolz zu Joséphine und seiner eigenen Familie zurück. Nach bangen Minuten des Wartens traute sich auch Frau Noa endlich wieder zum Nest. Dort bot sich ihr ein Schreckensbild: Eines der winzigen Küken war im Getümmel aus dem Nest gefallen! Nur unter Aufbietung all seiner kleinen Kräfte schaffte es das Kleine mit Mühe und Not, die steile Flanke der Treibgut-Arche wieder hinaufzuklettern.

Sichtlich erschöpft, aber erleichtert, sammelte die Schwanenmutter ihre Schützlinge wieder unter ihren warmen Flügeln. Mit leisen Rufen beruhigte sie die zitternden Küken und zupfte ihr zerzaustes Gefieder zurecht. Zumindest die Nacht brachte der kleinen Familie die dringend nötige Ruhe, um Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln.

Und diese Kräfte sollte Frau Noa brauchen. Denn Napoleon wäre seines historischen Namens wahrlich nicht würdig, wenn er sich so schnell geschlagen geben würde…

Fortsetzung folgt! Im nächsten Teil erfahrt ihr, wie der ungleiche Kampf um die Arche weitergeht.

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