Manchmal klopfen die faszinierendsten Wunder der Natur direkt an unsere Tür – oder fliegen direkt ins Haus. Kürzlich habe ich diesen wunderschönen Mittleren Weinschwärmer (Deilephila elpenor) in meinen Wohnräumen entdeckt. Da der prachtvolle Nachtfalter sichtlich erschöpft war, habe ich ihn behutsam nach draußen getragen und auf ein Blumenfeld mit Nachtkerzen gesetzt.
Die kleine Nachtkerze ist für ihn der perfekte Ort, um neue Kraft zu tanken. Weil er so müde war, zeigte er sich als extrem geduldiges Fotomodell. So konnte ich ihn in aller Ruhe porträtieren und mittels Focus-Stacking diese detailreichen Makroaufnahmen machen, bevor ich ihn wieder seiner Wege gehen ließ.





Obwohl der Weinschwärmer bei uns gar nicht so selten ist, bekommt man ihn durch seine rein nachtaktive Lebensweise nur selten zu Gesicht. Doch nicht nur der Falter ist ein echter Hingucker – auch sein „früheres Leben“ als Raupe ist spektakulär. Vor einigen Jahren konnte ich diesen stattlichen „Straßenkreuzer“ (siehe Foto) beim Überqueren einer Landstraße ablichten.

💡 Wissenswertes & Spannende Fakten über den Weinschwärmer
- Der Kolibri-Effekt (Schwirrflug): Weinschwärmer gehören zu den absoluten Flugkünstlern unter den Schmetterlingen. Wie Kolibris können sie im rasanten Schwirrflug bewegungslos in der Luft vor einer Blüte verharren und mit ihrem langen Saugrüssel im Flug Nektar trinken.
- Super-Nachtsicht im Farbmodus: Während die meisten Tiere nachts nur Graustufen sehen, besitzen Weinschwärmer ein extrem feines Farbsehen im Dunkeln. Das hilft ihnen, nachts gezielt hell leuchtende Blüten wie die der Nachtkerze oder des Geißblatts anzusteuern.
- Die „Schlangen-Raupe“ (Perfekte Mimikry): Die Raupe verdankt ihren Namen dem rüsselartig verlängerten Vorderteil, das an einen Elefantenrüssel erinnert (im Englischen heißt er deshalb Elephant Hawk-moth). Bei Gefahr zieht sie den Kopf ein und bläht das Vorderteil auf. Dadurch werden die großen, imitierten Augenflecken sichtbar. Für Fressfeinde wie Vögel sieht die Raupe plötzlich aus wie eine gefährliche kleine Schlange!
- Warum man Raupen auf der Straße findet: Im Spätsommer (meist August/September) verlassen die ausgewachsenen Raupen ihre Futterpflanzen (wie Weidenröschen oder Springkraut) und wandern oft weite Strecken am Boden, um einen geeigneten Platz zur Verpuppung in der Erde zu suchen. Dabei werden sie gelegentlich zu unfreiwilligen „Straßenkreuzern“.
- Der Name „Weinschwärmer“: Der Name leitet sich davon ab, dass die Raupen gelegentlich auch an den Blättern von Weinreben fressen – und natürlich von der wunderschönen, weinroten Färbung des fertigen Falters.
