Ein herbstlicher Familienausflug auf den heimischen Feldern (Teil 1)
Es gibt Naturbeobachtungen, die einem auch nach vielen Jahren mit der Kamera noch ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Vor Kurzem hatte ich das große Glück, auf abgeernteten Feldern rund um Vilshofen eine beeindruckende Großfamilie von Jagdfasanen über eine längere Zeit beobachten zu dürfen.
Wenn im Frühherbst die Mähdrescher ihre Arbeit getan haben, verwandeln sich die Stoppel- und Maisfelder in echte Schlaraffenländer für die heimische Tierwelt. Für die Fasane beginnt jetzt die Zeit der gemeinsamen Ausflüge. Was auf den ersten Blick wie ein zufälliges Treffen wirkt, hat bei den Hühnervögeln System: Im Jägerjargon nennt man diesen Familienverband eine „Fasanenkette“.
Warum gehen Fasane gemeinsam „aus“?
Die Jungvögel aus dem Frühjahr sind zwar inzwischen fast erwachsen, bleiben aber bis weit in den Herbst hinein bei der Henne. Gemeinsam zieht die Sippe über die freien Flächen, um nach heruntergefallenen Körnern, Sämereien und Insekten zu suchen. Das „Ausgehen“ in der Gruppe ist eine Lebensversicherung: Viele Augen sehen Feinde wie Füchse oder Greifvögel einfach schneller.
Vom fernen Asien auf unsere Felder: Eine kleine Geschichte des Fasans
Wusstest du, dass der Fasan (Phasianus colchicus) ursprünglich gar nicht bei uns heimisch war? Seine Urheimat liegt in den weiten Asiens – von der Schwarzmeerküste bis nach China. Bereits die Römer brachten die prächtigen Vögel als begehrtes Jagdwild nach Europa. Im Mittelalter und der Barockzeit wurden sie an den Höfen des Adels in Fasanenerien gezüchtet und ausgewildert. Heute ist der Fasan aus unserer Kulturlandschaft gar nicht mehr wegzudenken.





Faszinierende Vielfalt in einer einzigen Familie
Besonders begeistert hat mich die Vielfalt innerhalb dieser Truppe! Wenn man genau hinsieht, entdeckt man die unterschiedlichsten Entwicklungsstadien und Gefiedervarianten:
- Perfekte Tarnung: Die Hennen und ganz jungen Vögel tragen das klassische, hellbraun gemusterte Schlichtkleid – auf dem Ackerboden fast unsichtbar.
- Junge Hähne im Wandel: Einige Jung-Hähne lassen bereits an den ersten rötlichen Gefiederpartien und den roten Hautlappen im Gesicht (den sogenannten „Rosen“) erahnen, welch stolze Prachtkerle sie einmal werden.
- Der stolze Familienvorstand: Auf der Wiesenkuppe präsentierte sich der ausgewachsene Fasanenhahn in seiner vollen Farbenpracht mit langem Stoß (Schwanzfedern) und schimmerndem Gefieder – immer wachsam mit dem Blick über seine Sippe.
- Der schwarze Exot: Das absolute Highlight der Gruppe war jedoch ein junger Hahn mit Melanismus. Durch eine seltene genetische Laune lagert sein Körper vermehrt dunkle Pigmente ein. Als tiefschwarzer „Tenebrosus-Fasan“ stach er aus seiner hellen Verwandtschaft spektakulär hervor!
Es war ein fantastisches Erlebnis, dieses bunte Treiben der Fasanen-Großfamilie zu beobachten. Ich hatte sogar das große Glück, dass mir einige Tiere recht nahe gekommen sind.
Wie nah ich dem schwarzen Exoten und den anderen Familienmitgliedern wirklich gekommen bin, erfahrt ihr im zweiten Teil dieser Geschichte – inklusive der besten Nahaufnahmen und Porträts!
