Sommerfalter, Teil XI: Der weltgewandte Ausnahmesportler unter den Schmetterlingen
Wenn man den Distelfalter (Vanessa cardui) auf einer sonnengewärmten Blüte beobachten darf, ahnt man meist nicht, welche unglaubliche Reise dieser zarte Schmetterling hinter sich hat. Während viele unserer heimischen Falter als Raupe oder Puppe in der Nähe überwintern, ist der Distelfalter ein echter Langstreckenflieger und Globetrotter.
Ein einzelnes Individuum bringt kaum ein halbes Gramm auf die Waage, und doch bewältigt die Art im Laufe mehrerer Generationen Strecken von vielen tausend Kilometern. Ihre Reise beginnt oft im Norden Afrikas oder Südeuropa. Über das Mittelmeer, die Alpen und mitunter bis hinauf nach Skandinavien oder Island ziehen diese Ausdauerathleten gen Norden. In Reisehöhen von mehreren hundert Metern nutzen sie geschickt die Luftströmungen und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h.







Auf meinen Bildern zeigt sich der Wanderfalter von seiner schönsten Seite: Wer genau hinsieht, erkennt auf den Flügelunterseiten die feine, marmorierte Zeichnung und die charakteristische Reihe kleiner Augenflecken. Auf den Blüten von Korbblütlern und Natternkopf tanken sie gierig Nektar – der Treibstoff, der sie und ihre Nachkommen über Kontinente trägt.
Ein faszinierender Gast auf unseren Sommerwiesen und ein echtes Wunderwerk der Natur!
