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Das kleine Wunder der Arche

3. Happy End am Montag Abend

Liebe Fotofreunde,

am folgenden Montagabend zog es mich natürlich sofort wieder zur Arche. Ich wollte wissen, wie es Frau Noa und ihren Kleinen nach den gestrigen Attacken geht. Auf den ersten Blick wirkte alles friedlich: Die Küken waren sichtlich fitter als am Vortag, das Gefieder trocken und alle schienen wohlauf, während sich die Schwanenmutter rührend um sie kümmerte.

Doch die Idylle hielt nicht lange. Napoleon rauschte erneut heran – und diesmal noch bedrohlicher als am Sonntag. Er hatte den Hals flach zurückgelegt und paddelte mit seinen kräftigen Füßen so vehement, dass sich vor seiner Brust eine regelrechte Bugwelle aufbaute. Ein absolut imposanter und beängstigender Anblick!

Frau Noa verließ sofort instinktiv das Nest, um den Angreifer abzulenken. Doch diesmal passierte etwas Unvorhergesehenes: Die sechs Küken stolperten ihrer Mutter kopflos hinterher. Frau Noa wich aus, versuchte zurückzuweichen, aber die Kleinen paddelten aufgeregt mitten hinein ins Getümmel. Sie gerieten direkt zwischen die Fronten. In diesem Moment stockte mir der Atem – das Ganze spielte sich nur wenige Meter vor meinen Augen ab, und ich hatte große Angst um die Küken.

Die kleinen Schwänchen verstanden die Welt nicht mehr. Sie konnten anscheinend noch überhaupt nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Es kam zu Szenen, die man kaum glauben mag: In ihrer angeborenen Schutzsuche versuchten einige der Kleinen tatsächlich auf Napoleon zu klettern! Mir schoss sofort ein düsterer Gedanke durch den Kopf: Man weiß ja, dass Männchen im Tierreich manchmal den Nachwuchs von Rivalen töten, um die eigenen Gene durchzusetzen. Doch zu meiner enormen Erleichterung passierte das nicht. Napoleon ignorierte die Küken komplett. Er ignorierte auch mich, obwohl ich ganz nahe am Ufer lag. Sein einziger Fokus lag darin, Frau Noa zu vertreiben.

Dann wurde die Situation vollends skurril. Nach einer Weile ließ Napoleon von der Schwanenmutter ab und schwamm zurück zu seiner Partnerin Joséphine und den eigenen Kindern. Doch statt bei ihrer Mutter zu bleiben, folgten ihm blindlings Noas sechs Küken! Sie hatten völlig die Orientierung verloren. Ich fragte mich bang: Was wird Joséphine wohl sagen, wenn ihr Mann plötzlich mit sechs fremden Stiefkindern um die Ecke biegt? Zusammen hatten die beiden nun stolze 13 Küken um sich geschart! Aber Joséphine nahm es mit Gelassenheit hin. Die 13 grauen Flauschbälle vermischten sich im Wasser zu einer einzigen großen Kinderschar.

Zurück blieb Frau Noa. Einsam, ohne ihre Kinder und nach wie vor ohne ihren Mann, stand sie an der verlassenen Arche und blickte der Gruppe hinterher. Und dann stimmte sie es an: dieses leise Fiepen, das Höckerschwäne von sich geben. In der Ornithologie nennt man es das „Klagen“. Es klang unendlich traurig, weinerlich und ging mir durch und durch. War das jetzt das traurige Ende der Geschichte? Hatte sie ihre Familie für immer an den Rivalen verloren?

Ich wartete. Minuten vergingen. Und dann geschah das kleine Wunder: Plötzlich lösten sich drei kleine Schwäne aus der großen Gruppe und nahmen zielstrebig Kurs zurück auf die Arche und ihre Mutter. Nur kurz darauf folgten die nächsten drei! Die Erleichterung war greifbar. Nach einer ausgiebigen Begrüßung und sorgfältiger Gefiederpflege kuschelten sich alle zusammen ins sichere Schwanenbett.

Was für ein dramatisches Wechselbad der Gefühle – mit einem glücklichen Ende, das ich an diesem Abend so kaum mehr erwartet hätte.

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