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Von Macken, Lebensreisen und echter Schönheit

„Alter Falter!“ – diesen Spruch nutzt die Jugend gerne, wenn sie von etwas völlig überwältigt oder überrascht ist. Doch als ich mir die Aufnahmen dieses Distelfalters auf den leuchtend gelben Rapsblüten genauer ansah, bekam die Redewendung für mich eine ganz neue, tiefere Bedeutung.

Dieser Schmetterling ist im wahrsten Sinne des Wortes ein alter Falter.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Spuren eines langen, intensiven Falterlebens. Seine Flügel sind dünner geworden, fast ein wenig transparent, viele Farbschuppen sind schon abgefallen und die Sonne leuchtet durch die Flügel. Die Ränder sind ausgefranst, gezeichnet von Wind, Wetter und vielleicht der knappen Flucht vor dem einen oder anderen Vogel. Auch die einst so kräftigen, leuchtenden Farben sind etwas verblasst.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – verströmt er eine unglaubliche Faszination.

In einer Welt, die oft nur das Makellose und Perfekte feiert, zeigt uns dieser Schmetterling, dass wahre Schönheit oft erst durch die Lebenszeichen entsteht. Seine Macken erzählten eine Geschichte von einer langen Reise, von Ausdauer und vom Überleben.

Während er da so saß, von Blüte zu Blüte flog und den Nektar genoss, spürte man: Dieser Falter hat noch jede Menge Freude am Leben. Auch wenn seine Zeit endlich ist und das Ende absehbar sein mag – er kostet den Moment im warmen Mai-Licht voll aus. Ein bewundernswerter Senior der Lüfte, der uns zeigt, dass das Leben bis zum letzten Flügelschlag lebenswert und schön ist.

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