Zwischen Nacht und Licht – Ein Gedanke zu Allerheiligen
Allerheiligen und Allerseelen sind Tage der Stille, des Innehaltens und des Gedenkens. Wenn der Herbst die Natur leiser werden lässt, verändert sich auch unser Blick auf die Dinge.
Bei dieser Aufnahme eines Kohlweißlings am Morgen musste ich lange nachdenken. Er sitzt reglos in der Kälte, fast vollständig bedeckt von den feinen Perlen des Morgentaus. Die Tröpfchen wirken wie das Gewicht der dunklen Nacht.
Ist nicht jeder Abend für uns – und für die Geschöpfe um uns herum – ein kleines Fallenlassen, ein Abgeben der Kontrolle? Und jeder Morgen eine kleine, leise Auferstehung?
Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen das Dunkel durchbrechen, geschieht etwas Erstaunliches: Der Falter wischt die Spuren der Nacht ab, die Flügel trocknen im Licht, und ein neues Leben beginnt – flüchtig, kostbar und schön, bis zur nächsten Nacht.
Vielleicht ist es auch im Moment des Abschieds so. Im christlichen Sinne ist das Ende nicht die Dunkelheit, sondern das Verharren auf das Licht, das wieder erwärmt und befreit.
Ein ruhiger Gedanke zu diesen Tagen: Nach jeder noch so kalten Nacht wartet das Licht.








