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Ein Singvogel mit Tauchschein

Überraschungsbegegnung an der Kleinen Ohe: Eine junge Wasseramsel auf Nahrungssuche

Manchmal sind es die unerwarteten Momente im Feld, die am längsten in Erinnerung bleiben. Bei einer Tour entlang der Kleinen Ohe zwischen Hofkirchen und Vilshofen bot sich mir vor Kurzem ein ganz besonderes Schauspiel: Eine junge Wasseramsel (Cinclus cinclus) stöberte im seichten Wasser nach Nahrung. Da die Ohe aktuell recht wenig Wasser führt, konnte ich den kleinen Singvogel über längere Zeit beobachten, wie er geschäftig über die sonnendurchfluteten Kieselsteine watete und das flache Gewässer nach Insekten absuchte.

Junge Wasseramseln unterscheiden sich im Aussehen noch deutlich von den ausgewachsenen Tieren. Statt des scharf abgegrenzten, schneeweißen Brustlatzes tragen sie ein fein geschupptes, grau-weißes Gefieder. Diese Färbung bietet ihnen zwischen den Steinen und der Lichtbrechung des Wassers eine hervorragende Tarnung.

Ein Singvogel mit Tauchschein: Was die Wasseramsel so besonders macht

Die Wasseramsel ist in der Vogelwelt ein echtes Phänomen. Sie ist der einzige europäische Singvogel, der tauchen und unter Wasser laufen kann. Um in diesem extremen Lebensraum zu überleben, hat die Natur sie mit erstaunlichen Anpassungen ausgestattet:

  • Unterwasser-Lauftechnik: Wasseramseln nutzen die Strömung des Baches clever aus. Indem sie den Kopf senken und die Flügel leicht schräg stellen, drückt das fließende Wasser sie auf den Grund. So können sie sprichwörtlich gegen die Strömung über den Gewässergrund laufen, um Steine nach Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven umzudrehen.
  • Wasserdichte Kleidung: Ihr Gefieder ist extrem dicht und besitzt im Vergleich zu anderen Singvögeln besonders viele Daunen. Zudem ist ihre Bürzeldrüse (mit der sie ihr Gefieder einfetten) etwa doppelt so groß wie bei gleich großen Landsingvögeln. Das hält die Haut vollkommen trocken.
  • Taucherbrille & Klappen: Unter Wasser schützt eine durchsichtige Lip- bzw. Nickhaut das Auge wie eine Schwimmbrille. Zudem lassen sich die Nasenlöcher durch kleine Hautklappen beim Tauchen verschließen.
  • Schwere Knochen: Im Gegensatz zu den meisten Vögeln, die zur Gewichtseinsparung beim Fliegen hohle Knochen besitzen, hat die Wasseramsel solide, schwerere Knochen. Das nimmt ihr den Auftrieb im Wasser.
  • Das „Knixen“: Typisch ist das ständige „Wippen“ oder „Knixen“, wenn sie auf Steinen sitzt. Es dient wahrscheinlich der visuellen Kommunikation im lauten Rauschen des Wassers.

Eine Sichtung an der Kleinen Ohe ist nicht nur für Naturfotografen ein Highlight, sondern auch ein sehr gutes Zeichen für das lokale Ökosystem: Wasseramseln benötigen sauberes, sauerstoffreiches Wasser und naturnahe Bachbetten mit Kieselstrukturen. Dass hier ein Jungvogel unterwegs ist zeigt, dass der Nachwuchs in unseren heimischen Bächen erfolgreich aufwächst.

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