Es gibt Momente in der Naturfotografie, für die braucht man keine ausgeklügelte Technik, sondern vor allem zwei Dinge: Geduld und eine gute Deckung.
Vor kurzem hatte ich das Glück, auf meiner Fotopirsch einen sogenannten Sprung Rehe (so nennt man die Herde in der Fachsprache) zu entdecken. Dank eines Ackers, auf dem noch das Gestrüpp vom Vorjahr stand, konnte ich mich unbemerkt anschleichen.
Die Strategie der Gemeinschaft
Im Winter und zeitigen Frühjahr ziehen Rehe oft als Großfamilie umher. Das hat handfeste Vorteile: Viele Augen sehen mehr als zwei, und viele Nasen wittern die Gefahr schneller. Es war faszinierend zu beobachten, wie sozial und wachsam diese Tiere miteinander umgehen.
Doch die Idylle ist zeitlich begrenzt: Sobald das Futter im Frühling kräftiger wird und die Hormone den Böcken einschießen, löst sich dieser Verbund auf.
Vom Spießer zum Platzbock
In dieser kleinen Herde konnte ich die gesamte Hierarchie beobachten:
- Junge „Spießer“: Jährlinge mit ihrem ersten, noch zarten Gehörn.
- Stattliche Böcke: Ältere Tiere, deren Gehörn (noch im schützenden Bast) schon beeindruckende Formen annimmt.
- Geißen & Schmalrehe: Erfahrene Rehgeißen und die zarten „Rehlein“ vom Vorjahr, die man als Schmalrehe bezeichnet.
Der Moment des Aufbruchs
Egal wie vorsichtig man ist – irgendwann fliegt die Deckung auf. Ein kurzes Sichern, die Nasen gehen in den Wind, und schon hieß es: Reißaus!
Besonders beeindruckend war der Moment, als ein junger Bock zusammen mit einer Geiß im Vollsprint über das Feld jagte. Auch wenn die Begegnung damit endete, bleiben mir diese Aufnahmen als Erinnerung an einen magischen Vormittag in der bayerischen Natur.











